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Vom Flüchten und Reisen

von Andreas Mettler am 04.08.2009
Florida Reisen sind für uns Regen-Geschüttelte Mitteleuropäer ein begehrtes Mittel unsere Schlechtwetter Tristesse zu kurieren. Die durchschnittlich 9 Sonnenstunden pro Tag und Temperaturen zwischen 23 – 31 Grad Celsius über das ganze Jahr verteilt, können uns Deutsche ganz schön neidisch machen. Selbst die Wassertemperatur im Atlantik sinkt im kältesten Monat, dem Januar, nicht unter 22 Grad. Wer angesichts von 7800 Flug-Kilometer von Frankfurt bis Miami ein schlechtes Gewissen wegen der Energie-Bilanz seines Urlaubs hat, kann sich natürlich schon mal tausend Kilometer früher absetzen lassen. In der Karibik z.B. Wie wärs mit Jamaika, Martinique, Virgin Islands oder Puerto Rico? Karibik Reisen sind ungewöhnlich beliebt, wegen ihrer traumhaften Strände und den phantastischen klimatischen Bedingungen. Diese gleichbleibende Wärme, Dezember und Juli unterscheiden im Grunde nur durch die Regenmengen, aber nicht durch die Temperatur, ist genau das, was uns Frostbeulen gut tut. Das Klima der Karibik wird zwischen Juni und Oktober zwar durch eine schwüle Regenzeit bestimmt, in der schon mal hohe Niederschlagsmengen möglich sind, aber es gibt nicht dieses Grau in Grau, das für die nördlichen Breiten so typisch ist und so manche Depression erzeugen kann. Die Einwohner mancher Karibikstaaten haben da ganz andere Probleme, sie treiben ganz andere Sorgen um. In Kuba z.B. das noch immer gezeichnet ist von den Folgen des Jahrzehnte andauernden amerikanischen Handelsembargos und der jahrelangen repressiven Herrschaft des Fidel Castro, träumen die Menschen von mehr Freiheit, mehr Lebensqualität und gut bezahlten Jobs. Florida Reisen haben sich hier zu einem echten Sport entwickelt, sind aber kein legales Geschäftsfeld wie in unseren Breiten. Und dieser Sport ist gefährlich. Jährlich versuchen Tausende von Kubanern die 145 Kilometer breite Meerenge zwischen Havanna und Miami Beach irgendwie zu überwinden und fast alle werden von der amerikanischen Küstenwache erwischt und wieder zurück in ihr Land geschickt. Ganz findig waren vor ein paar Jahren 3 kubanische Pärchen mit ihren 5 Kindern. Sie setzten sich in einen alten amerikanischen Buick, Baujahr 1959 und starteten zu einer abenteuerlichen Reise nach Florida, die zunächst so unglaublich gut verlief. Wie, fragt man sich da, kann ein Buick von Havanna nach Miami fahren. Er fuhr mit allen 11 Insassen über das Meer! Die Idee stammte von Marciel Basanta Lopez und Luis Grass Rodriguez, die in wochenlanger Arbeit den alten Buick so versiegelt hatten, dass kein Tropfen Wasser mehr eindringen konnte. Es funktionierte! Sie schipperten mit dem Auto und allen Insassen etwa 130 Kilometer über das Meer, als sie die Küstenwache von Florida entdeckte. Ihnen fehlten nur noch 16 lächerliche Kilometer, dann hätten sie amerikanischen Strand erreicht und wären sicher gleich zur nächsten Tankstelle gefahren um ihre Fahrt auf der Straße fortzusetzen. Aber so endete diese Florida Reise für die 11 Kubaner schließlich im Boot der Küstenwache. Sie wurden umgehend zurück nach Kuba geschickt und die Amphibien-Version eines 59er Buicks wurde von den Amerikanern im Meer versenkt. Welche Schande! Aber vielleicht haben die beiden erfindungsreichen Kubaner es ja mittlerweile doch mit einem ganz neuen Coup geschafft und einen anderen 50er Jahre Schlitten zum U-Boot umgebaut - zumindest für die letzten Kilometer...
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